THEATER THIKWA UND THIKWA-WERKSTATT FÜR THEATER UND KUNST
 
EXTREMITIES
Foto: Florian Krauss

Leben beginnt als Zellform, unbestimmt und formlos. Der menschliche Körper entsteht zufällig. Zellen werden befruchtet, andere sterben ab. Seine werdende Existenz und Entwicklung ist unvorhersehbar. Kommt es zu einer Befruchtung wird das Erbmaterial neu verteilt und es entsteht eine völlig neue und unverwechselbare DNS. Jeder menschliche Organismus ist somit einzigartig und hat seine individuelle Physis.

„Extremities” illustriert die Entwicklung des menschlichen Körpers von der Zelle bis zu seinem tatsächlichen Dasein und fokussiert den Körper in seiner Materialität mit all seinen Stärken und Schwächen.

Kein Körper ist perfekt. Es existiert keine absolute Symmetrie, keine reelle Norm. Und doch strebt der Mensch genau danach. Selbstoptimierung und Effizienzsteigerung setzen unter permanenten Leistungsdruck. Der eigene Körper wird verzerrt wahrgenommen und in vielen Fällen sogar komplett abgelehnt. Aber der Mensch ist ein Mängelwesen. Technische Abläufe oder Algorithmen können optimiert oder effizienter gemacht werden, aber menschliches Leben erschließt sich nicht in Maßzahlen. Medizinischer Fortschritt und technologische Errungenschaften gewähren eine bessere Gesundheit und ein längeres Leben. Pränataldiagnostik suggeriert eine beherrschbare Zukunft. Perfektion und Optimum vom ersten Atemzug an. Die Hightech-Medizin vermag dies. Die Folge wäre eine Gesellschaft, in der kein Platz für ‚Anderssein’ ist. Es wäre eine einseitige und langweilige Gesellschaft.

„Extremities” ist eine tänzerische Kampfansage gegen Konformität und oberflächliche Ideale. Für diese besondere Tanzproduktion, die die Tänzerin und Choreografin Linda Weißig mit dem Thikwa-Ensemble erarbeitet hat, kreierte die Elektronik-Musikerin Dane Joe aka Adi Koom die passenden Sounds, Musik und Videobilder.

„Extremities” illustrates the evolution of the human body from cell to final shape and focuses the body in its physicality with all its strengths and weaknesses.
No body is perfect. There is no absolute symmetry, no objective standard. Yet most humans aim for exactly that, striving for self-optimization and increased efficiency. The result would be a society in which there is no room for ’variants‘.
„Extremities” is a dancing challenge to conformity and superficial ideals.

Tanz: Dario Bezer, Felix Brünig, Atalay Dogan, Konstantin Langenick, Vincent Martinez, Lia Massetti, Anne-Sophie Mosch, Linda Weißig, Claire Wolff | Choreografie: Linda Weißig | Sound/Videodesign: Dane Joe aka Adi Koom | Bühne: Isolde Wittke | Kostüme: Heike Braitmayer | Lichtdesign: Katri Kuusimäki

+++ Stimmen Presse/Medien +++

▶ „die Utopie einer friedlichen, offenen und diversen Gesellschaft ... mit einem erhebenden wunderschönen Finale für ein starkes Stück - gelungen”
Frank Schmid, rbbKultur

▶ „Tanzen gegen den Optimierungswahn”
Lennart Garbes, rbb Inforadio Kultur

▶ „Alles unter Kontrolle? Theater Thikwa tanzt gegen den Optimierungswahn – Pränataldiagnostik ist für werdende Eltern ein heikles Thema. Oft verunsichern diese Untersuchungen mehr als dass sie helfen. Wozu brauchen Menschen diese hundertprozentige Sicherheit? Kann man sich nicht mehr auf sich selbst verlassen und annehmen, dass man die Dinge, wie sie auch kommen, schon hinkriegen wird? Leicht gesagt. Und trotzdem: Was wäre unsere Welt, wenn die Menschen körperlich, geistig sowie seelisch perfekt und austauschbar wären? Wäre sie tatsächlich besser? Oder wären die Defizite nicht eigentlich viel größer? Dem auf Konformität zielenden körperlichen Optimierungswahn sagt Linda Weißig in "Extremities" den Kampf an. Zusammen mit neun gewohnt eigenwilligen Darsteller*innen wird sie auf der Bühne des Theater Thikwa stehen, für das sie seit 2007 regelmäßig als Choreografin, Tänzerin und Tanztrainerin arbeitet – einwandfrei!”
Christine Matschke, tanzraumberlin Mai/Juni 2019

 

Fotos: Alexander Fusco


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