THEATER THIKWA UND THIKWA-WERKSTATT FÜR THEATER UND KUNST
 
Orlando
Engel und Wartesäle
Über Männer, die wie Frauen, und Frauen, die wie Männer singen, über Zwischen- und Schwebezustände menschlicher Befindlichkeit auf der Suche nach Individualität und Neubeginn - Wartesäle des Lebens und Wünschens.

Diese Inszenierung changiert zwischen Performance, Tanztheater und Installation. Die Akteure verlassen mit Virginia Woolfs Phantasie die Welt der festgelegten Geschlechterrollen, singen und erspielen sich die Zwischenräume, die Wartesäle der Engel, der Androgynen. Mit feinem Humor erschaffen sie aus Orlandos Zeitreisen das, was Tomasi di Lampedusa über den Roman seiner Zeitgenossin schrieb: "eine phantasievolle Erzählung voller Satire und farbiger Details".

Virginia Woolf erzählt in ihrer fiktiven Biographie Orlando die "Geschichte eines Lebens", die im 16. Jahrhundert beginnt und bis in das Jahr 1928 reicht. Der Titelheld selber allerdings wird nur um 20 Jahre älter und wechselt im Verlauf dieser Geschichte sein Geschlecht. "Seine Gestalt vereinte die Kräftigkeit eines Mannes mit der Anmut eines Weibes ... ob also Orlando mehr Mann oder mehr Weib war, das lässt sich schwer sagen." (V. Woolf)

Die britische Schriftstellerin notierte 1927: "Eines Tages jedoch werde ich hier die Umrisse all meiner Freunde skizzieren wie ein großes historisches Gemälde ... Vita [ihre Geliebte Victoria Sackville-West] sollte Orlando sein, ein junger Adliger ... eine Biographie, die im Jahr 1500 beginnt & bis zum heutigen Tag führt".

Die Regisseurin Martina Couturier und die Performerin Ruth Geiersberger haben in ihrer Arbeit diesem Roman Motive entliehen: Zum einen steht Orlando für die Idee, dass das Geschlecht eines Menschen kein eindeutiger oder endgültiger Zustand sein muss. Und: Im Falle Orlandos ist der Wechsel des Geschlechts mit der Option verbunden, nicht sterben zu müssen. Engel sind solche Zwitterwesen mit Kredit auf Unsterblichkeit, endlos Wartende. Die Inszenierung will keine Bühnenadaption des Romans von Virginia Woolf sein. Die Orlando-Figur liefert hier nur den gedanklichen Ausgangspunkt für eine Phantasie über Androgynie und geschlechtliche Metamorphosen.

Orlando hatte 2001 Premiere am Theater am Halleschen Ufer Berlin, ist eines der meistgespielten Stücke von Theater Thikwa, und hat folgende Tourneetermine im Juni 2009:
16. Juni Zürich (CH), Theaterhaus Gessnerallee, internationales Theaterfestival OKKUPATION!
21. Juni Basel (CH), Theater Basel, wildwuchs 09 - das Kulturfestival für solche und andere

Mit Tim Petersen + Ricki Eden, Torsten Holzapfel + Martina Couturier, Ruth Geiersberger + Cornelia Glowniewski, Jannette Lange + Ronny Dollase . Regie Martina Couturier . Konzept Martina Couturier + Ruth Geiersberger . Bühne Matthias Maedebach . Kostüm und Ausstattung Gerlinde Altenmüller . Licht Klaus Dust . Musik Alfred Mehnert . Bühne Wiederaufnahme Gerlinde Altenmüller . Assistenz Kostüm und Bühne Sonia Vilbonnet . Mentorin Bente Schmidt . Produktionsleitung Klaus Altenmüller

+++ Stimmen Presse/Medien +++

▶... Diese Stoffe und Tuche sind Identitätsangebote, Hüllen des Seins ... Dann aber wird auch der Fundus weggeschafft und die Figuren hüllen sich in weißes Kreppapier und verwandeln sich in laut raschelnde bizarre Skulpturen. Im letzten Bild in dieser Revue der Häutungen hängen Plastikfolien ... Das letzte Kleid für die geläuterten Figuren ist ein dünner kalter Stoff der Moderne - eine Abstraktion, eine durchsichtige Hülle, und bedeutet die Rückkehr zur Nacktheit als dem eigentlichen Identitätskleid dieses merkwürdigen Tieres Mensch.
Galerie des Theaters, Radio Kultur/SFB, Eberhard Spreng, 2001

▶ Dass ein solches Ensemble sich der Thematik des menschlichen Anderssein-Dürfens annimmt, ist "normal". Dass es dabei aber immer wieder zu so hoher theatralischer Intensität und zu Bildern von derartiger ästhetischer Stringenz gelangt, das grenzt schon ans Wunderbare.
Berliner Behindertenzeitung, 2001

▶ Magische Momente. Erlebenswert.
zitty, 2001


+ + + E N G L I S H + + +

A phantasy about androgyny and sexual metamorphosis , inspired by Virginia Woolf: In Virgina Woolf’s fictitious biography “Orlando”, the story of a life is told which begins in the 16th century and stretches up to the year 1928. The eponymous hero, however, only ages 20 years and changes his gender during the course of the story. Theater Thikwa has borrowed two motives from this novel: Orlando stands for the idea that a person’s sex doesn’t have to be an absolute condition. Moreover, changing gender is linked to the option of escaping death. Angels are such hermaphrodites, with a credit for immortality, endlessly waiting creatures.

Theater Thikwa, founded in Berlin in 1990, is an artistic experiment with disabled and non-disabled artists. All Thikwa productions reflect its quest for an aesthetics which expresses both the differences between and the similarities of the participants.

Spielplan
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F40 ist die gemeinsame Spielstätte von ENGLISH THEATRE BERLIN und THEATER THIKWA

Fidicinstrasse 40
10965 Berlin (Kreuzberg)

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Platz der Luftbrücke
Bus: M19
Mehringdamm
Bus: 104
Platz der Luftbrücke

Tel. Reservierung:
030 61 20 26 20

Ticket-Hotline:
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