THEATER THIKWA UND THIKWA-WERKSTATT FÜR THEATER UND KUNST
 
OZ, OZ, OZ! (W)RAP THE WIZARD!
ein verhindertes Musical
Fotos: David Baltzer

Somewhere over the rainbow fliegt die doppelte Dorothy (Cora Frost / Corinna Heidepriem) durch das Land of Oz. Auf dem Weg nach Smaragdstadt – nicht Karl-Marx-Stadt –, wo hoffentlich die Post abgeht, begegnet sie starken Gestalten: Die hirnlose Vogelscheuche ist eigentlich ganz glücklich darüber, dass man mit dem „Jagdschein“ überall umsonst rein kommt. Und der feige Löwe rappt zitternd ein Loblied auf die Angst. Nur die Dame mit den roten Pumps versucht die Reisegruppe beständig von ihrer Unzulänglichkeit zu überzeugen.

Thikwa macht ein Musical! Aber kein gewöhnliches. Rap trifft Electronic Jazz, es wird gesungen und getanzt, aber gleichzeitig das Genre durch den Fleischwolf gedreht. Ein performatives Roadmovie, wo am Wegesrand existentielle Fragen nach dem Wert vermeintlicher Imperfektion lauern. Die Verbesserungsvorschläge klingen sympathisch zeitgeistig und müffeln im Nachgang verdächtig nach neoliberaler Selbstoptimierung. Verführen lässt sich doch jeder gern. Sind wir nicht alle Systemteilnehmer mit reparablen Defiziten?

Thikwa missbraucht lustvoll eine populäre Vorlage für eine Untersuchung in Sachen Individualität und über sich hinauswachsen (müssen). Komische Boxschläge in die intellektuellen Weichteile bleiben da nicht aus.

In guter alter Hollywood-Tradition hat auch OZ, OZ, OZ! einen All-Star-Cast. Neben einer First-Class-Riege prominenter Thikwa-Performer*innen wie Torsten Holzapfel, Peter Pankow und Heidi Bruck rappt Cora Frost, philosophiert Martin Clausen mit sinistrer Überzeugungskraft und der Beatbox-Crack Raphael Schall steuert die Beats bei.
Ein diskursives Musik-Stück über Individualität und die Hürden der Selbstverbesserung.

Von und mit: Cora Frost, Martin Clausen, Torsten Holzapfel, Peter Pankow, Addas Ahmad, Christian Wollert, Stephan Sauerbier, Ismail Arslantürk, Heidi Bruck, Sammy Serag, Konstantin Langenick, Kerstin Buenaventura, Louis Edler, Corinna Heidepriem | Komposition und Live-Musik: Raphael Schall, Kazuhisa Uchihashi | Bühne: Isolde Wittke | Kostüme: Pablo Alarcón | Lichtdesign: Benjamin Schälike | Regie: Gerd Hartmann

 

+++ Stimmen Presse/Medien +++

▶ „Thikwa haut auf den Regenbogen ... grellwitzig ... selbstbewusst ... genial zerrupft ... Ja bitte, mehr davon!”
Friedhelm Teicke | zitty

▶ „Glückspilze wie wir – Die Musicalpersiflage „Oz, Oz, Oz! (W)rap the Wizard!” mit Cora Frost im Theater Thikwa: ... „Wir wollen nix!” Was ja nichts anderes heißt, als: Wir haben schon alles. Das ist ein Satz, der in Zeiten permanenter Selbstoptimierung absolut nicht vorgesehen ist. ... Von der heimatlosen, doppelten Dorothy gar nicht zu reden, die in gestalt von Corinna Heidepriem und der rabaukig aufgelegten Cora frost so gar nichts von dem mädchenhaften Schmelz hat, den ihr Judy Garland 1939 in der Hollywood-Verfilmung als Interpretin von „Somewhere Over The Rainbow” verpasste. ... Und in der tat scheint eine Geschichte über imperfekte Wesen, denen zu ihrem Glück Verstand, Gefühl, Mut – oder letztlich nur ein Quäntchen Selbstvertrauen fehlt – wie gemacht für die inklusive Theatertruppe. ... Ihre Wanderung auf einer leeren nur durch Lichtstimmungen und wenige Requisiten verwandelten Bühne entpuppt sich als Unsinnsreise ins Kalauerland. ... Größtes atmosphärisches Pfund ist die farbenreiche Theatermusik. Der auf Gitarre und Daxophon improvisierende Jazzer Kazuhisa Uchihashi und der Beatboxer Raphael Schall fabrizieren ihren Genremix live ... Das klingt so bannend ... Das wäre Judy Garland nie eingefallen.”
Gunda Bartels | Der Tagesspiegel

 

Fotos: David Baltzer


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