THEATER THIKWA UND THIKWA-WERKSTATT FÜR THEATER UND KUNST
 
Mi 4. - Ostermontag 9. April 2012 | 20 Uhr | Große Bühne
Stabat Mater

In der Welt der erlebten Gefühle und Sehnsüchte gibt es keine Behinderung, vielmehr sind es stets Menschen, die bewusst und mit allen Sinnen leben und lieben.
Die barocke Musik Giovanni Battista Pergolesis mit ihrer Spannung zwischen Lebensfreude, Lust und Askese, Schmerz, Leid, Trauer evoziert die imaginären Wünsche zu Mutter- oder Vaterschaft. Eine lebendige Ikonographie bebildert in Tanz-Szenen die Phantasien, das Unsichtbare, die nicht wahrgenommene Realität gegenüber dem Sichtbaren, Alltäglich-Banalen, dem Vorurteil über Behinderung und Mutterschaft.
Der Regisseur und Choreograph Alessio Trevisani, künstlerischer Leiter der Company des Leipziger Tanztheaters, arbeitet insbesondere mit der Methode des Body-Mind-Centering, die in Bewegung und Geist vernachlässigte „Schattensysteme“ aktiviert.
STABAT MATER thematisiert eine Entdeckungsreise zur Natur des Menschen und ist ein Tanz über Geburt, Existenz, Nähe und Identität.

Mit Sabrina Braemer, Heidi Bruck, Isabel Raabe, Vincent Martinez, Till Mittasch, André Nittel, Tim Petersen, Patricia Schulz, Alessio Trevisani und Linda Weissig
Idee + Choreographie: Alessio Trevisani
Musik: Giovanni Battista Pergolesi, Vincent Martinez
Bühnenbild: Jürgen Kirner
Kostüme: Mehrbood Mokarram, giulianoFujiwara Collection Milano-Tokyo
Licht: Jesse Cogdell, Manfred Arlt
Medienpartner: www.kulturradio.de


3sat-Kulturzeit vom 18.02.2010 - hier ansehen >>

+++ Stimmen Presse/Medien +++

▶ Ganz bedenkenlos haben sich Trevisani mit seinen Darstellern in die Sakralität und die Schönheit der Musik gestürzt. Nichts wird hier gebrochen, unterlaufen oder ironisiert. Aber gerade mit dieser Schlichtheit und dem Mut zu absoluter Naivität erobern sich Trevisani und seine Akteure das "Stabat Mater" so eindringlich.

- Berliner Zeitung, Michaela Schlagenwerth

▶ Viel Liebe drückt sich in Berührungen aus, engen Gliederungen, schmiegenden Formen zu Paaren, auf dem Boden oder im Raum. Als Kette gefasst, trotzen die Menschen den Stürmen des Lebens ...

- Neues Deutschland, Volkmar Draeger

▶ Das ist wunderschön, ebenso wie das bewegte Schlussbild ...

- taz, Katharina Granzin

Alessio Trevisani zur Entstehung seines Stückes
Diese Arbeit entsteht aus einer tiefen Liebe aus meiner Jugendzeit für die Musik Pergolesis zu Stabat mater, eine Art Zugehörigkeit und Faszination. Die Idee der Zusammengehörigkeit und gegenseitigen Anziehung von Pergolesi und Theater Thikwa entstand aus meiner plötzlichen Vision und aus meiner Behauptung: Keiner hätte besser die Vielfalt, den Schmerz und die Freude dieser Komposition besser tragen können, besser interpretieren können als das Thikwa-Ensemble. Heute, wenige Tage vor der Premiere weiß ich viel mehr: Nur wer täglich mit Schmerz und Freude so verbrüdert ist, konnte mich begleiten um aus dieser Musik ein Tanztheater zu realisieren.
Da, wo jeder andere Akteur sich womöglich pathetisch, lächerlich oder grotesk in dieser Musik bewegt hätte, agiert das Thikwa-Ensemble stark und souverän.
Dass in der Choreografie auch zusätzliche Tänzerinnen - und darunter ich - mit tanzen, geht einher mit meiner Absicht, die Grenzen zwischen normal/anormal funktionsfähigen Körpern zu sprengen.
Bewegung ist Wahrnehmung, auch in der Stille ist es möglich, die Wahrnehmung der atmenden, also sich bewegenden Organe zu spüren, und, wenn gewollt, zum Ausdruck zu bringen - in Stabat Mater geht es um fragile Körper und starken Willen.


Stabat Mater ist eine der Marienklagen, die zu allen Passionsdarstellungen des Mittelalters gehörten. Das Gedicht wird dem 1306 verstorbenen Franziskanermönch Jacopo aus Todi/Italien zugeschrieben. Ideengeber ist das Johannes-Evangelium (Joh. 19,25ff.), die berühmteste Nachdichtung ist vermutlich das Gebet des schwangeren Gretchens "Ach neige, Du Schmerzensreiche" in Goethes Faust. Vertont wurde es über 40 mal, angefangen bei Desprez (1480) über Palestrina (um 1590), Vivaldi (1727), Schubert (1815), Liszt (1866), Dvořák (1877), Penderecki (1962), Pärt (1985) bis zum Mike Oldfield Kollegen Jenkins (2008). Von Anfang an sollte das Gedicht zur Andacht über Leben und Vergänglichkeit anregen.

Stabat Mater - Interlinearübersetzung

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von Prof. Dr. Ernst Kausen, Universität Gießen. 

I

Stabat Mater dolorosa iuxta crucem lacrimosa dum pendebat Filius.

Cuius animam gementem, contristatam et dolentem, pertransivit gladius.

O quam tristis et afflicta fuit illa benedicta Mater Unigeniti.

Quae maerebat et dolebat pia Mater, dum videbat nati poenas incliti.

Es stand die Mutter schmerzerfüllt bei dem Kreuze, tränenreich, als (dort) hing (ihr) Sohn.


Ihre Seele -seufzend, verdüstert und schmerzerfüllt hat durchbohrt ein Schwert.



O wie traurig und angeschlagen war jene gebenedeite Mutter des Eingeborenen.

Wer müsste nicht traurig werden (und) Christi Mutter (still) betrachten, die (dort) leidet mit dem Sohn?

II

Quis est homo, qui non fleret, Matrem Christi si videret in tanto supplicio?


Quis non posset contristari,
Christi Matrem contemplari
dolentem cum Filio?

Pro peccatis suae gentis vidit Iesum in tormentis et flagellis subditum.

Vidit suum dulcem natum moriendo desolatum, dum emisit spiritum.

Was trauerte und schmerzte es die fromme Mutter, als sie sah des geborenen (Sohnes) Leiden, des berühmten.

Wer ist der Mensch, der nicht weinte, wenn (lat. si) er die Mutter Christi sähe in so großer Qual?



Für die Sünden seines Volkes sah sie Jesus in der Folter und den Geißeln ausgeliefert.

Sie sah ihren geliebten [süßen] Sohn
im Sterben allein gelassen,
als er aufgab (seinen) Geist.

III

Eia Mater, fons amoris,
me sentire vim doloris
fac, ut tecum lugeam.

O Mutter, Quell der Liebe,
lass (fac) mich fühlen die Kraft des Schmerzes, damit ich mit dir traure.

IV

Fac, ut ardeat cor meum
in amando Christum Deum, ut sibi conplaceam.

Mach, dass brenne mein Herz
in der Liebe zu Christus, dem Gott,
damit ich ihm gefalle.

 

Sancta Mater, istud agas,
crucifixi fige plagas
cordi meo valide.

Heilige Mutter, das bewirke,
drücke (lat. fige) des Gekreuzigten Schläge meinem Herzen kräftig ein.

V

Tui nati vulnerati
tam dignati pro me pati
mecum divide.

Deines Sohnes -der verwundet,
der so entschlossen ist, für mich zu leiden poenas (dessen) Schmerzen mit mir teile!

VI

Fac me vere tecum flere, crucifixo condolere, donec ego vixero.

Lass mich wahrlich mit dir weinen,
mit dem Gekreuzigten mitleiden, solange ich leben werde.

 

Iuxta crucem tecum stare, te libenter sociare in planctu desidero.

Bei dem Kreuz mit dir zu stehen, mit dir gerne mich zu vereinen in der Klage - (das) wünsche ich.

VII

Virgo virginum praeclara
mihi iam non sis amara,
fac me tecum plangere.

Jungfrau der Jungfrauen, hochberühmte,
mir länger nicht sei abgeneigt [bitter],
lass mich mit dir klagen.

VIII

Fac, ut portem Christi mortem,
passionis fac consortem
et plagas recolere.

Mach, dass ich trage Christi Tod,
des Leidens mach (mich) zum Genossen
und die Schläge (lass mich) nacherleben.

 

Fac me plagis vulnerari,
cruce hac inebriari
ob amorem Filii.

Lass mich durch Schläge verwundet (und)
durch dieses Kreuz erfasst [berauscht] werden
von der Liebe zu (deinem) Sohn

IX

Inflammatus et accensus
per te, virgo, sim defensus
in die iudicii.

Entflammt und entzündet
durch dich, Jungfrau, sei ich geschützt
am Tage des Gerichts.

 

Fac me cruce custodiri,
morte Christi praemuniri,
confoveri gratia.

Lass mich durch das Kreuz behütet werden,
durch den Tod Christi sicher sein (und)
erwärmt werden durch (seine) Gnade.

X

Quando corpus morietur,
fac, ut animae donetur
paradisi gloria.
Amen.

Wenn der Leib (einst) sterben wird,
mach, dass der Seele geschenkt werde
des Paradieses Glanz.
So sei es.

Fotos © Peter Ehrentraut

Spielplan
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F40 ist die gemeinsame Spielstätte von ENGLISH THEATRE BERLIN und THEATER THIKWA

Fidicinstrasse 40
10965 Berlin (Kreuzberg)

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Platz der Luftbrücke
Bus: M19
Mehringdamm
Bus: 104
Platz der Luftbrücke

Tel. Reservierung:
030 61 20 26 20

Ticket-Hotline:
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